17. April 2008

Schönwerth • Lebenslauf

Schönwerth, Franz Xaver von, Germanist, Sprach- und Volkskundeforscher, Generalsekretär und Ministerialrat am bayerischen Staatsministerium der Finanzen bei König Maximilians II. von Bayern, * 16. 7. 1810 in Amberg (Oberpfalz), kath., † 24. 5. 1886 in München.

Eltern: Joseph Schönwerth, Zeichenlehrer am Amberger Gymnasium,
und Josepha, geb. Kirchberger

Sch. besuchte das Amberger Gymnasiums, trat 1829 über an die Philosophische Sektion der Lyzeal-Studienanstalt zu Amberg, schloss drei Jahre später als zweitbester Schüler ab und begann das Studium an der Bauakademie in München. Nach Prüfung für den höheren Finanzdienst
fand er Anstellung bei der Regierung von Oberbayern, wurde 1845 Privatsekretär des Kronprinzen Maximilian und 1848 nach der Thronbesteigung Maximilians II. Hofsekretär und Vorstand der Kabinettskasse, drei Jahre später Generalsekretär und Ministerialrat am bayerischen Staatsministerium.

Überzeugt davon, dass die abgelegene Oberpfalz reicher an „ächter, alter Sage“ sei als viele andere deutsche Landstriche, begann Sch. 1854 erste Arbeiten zu den „Sitten und Sagen“ . Angeregt durch seine Frau Maria Rath aus Neuenhammer bei Vohenstrauß (Heirat 1856) befragte Sch. oberpfälzische Landsleute nach allem, was sie aus dem Volksleben an Sitten und Sagen wussten. Entstanden ist ein dreibändiges Werk (1857 Veröffentlichung des 1. Bandes „Aus der Oberpfalz – Sitten und Sagen“, 1858 Band 2, 1859 Band 3).

Seine Arbeit fand die volle Hochachtung von Jakob Grimm, der 1858 über ihn schrieb: „Nirgendwo in ganz Deutschland ist umsichtiger, voller und mit so leisem Gehör gesammelt worden“. Für seine Sitten und Sagen wurde Sch. 1859 der persönliche Adel verliehen, und Maximilian II. gewährte ihm Diensturlaub für zwei längere Forschungsaufenthalte 1860 und 1861 in der Oberpfalz. Ein zweiter im Nachlass aufbewahrter Brief Jakob Grimms von 1861 beweise, so Dr. Roland Röhrich in „Schönwerth: Sein Leben und sein Werk“, dass seit 1858 ein wissenschaftlicher Gedankenaustausch zwischen Grimm und Sch. stattgefunden haben müsse. Grimm stellte die „Sitten und Sagen“ in einem Brief an Karl Julius Schröer als Vorbild für weitere Sammlungen heraus. Johann Sepp berichtete sogar, dass Jakob Grimm “die Liebe, welche er zu Schmeller hegt, nach dem Hingang des um den deutschen Sprachschatz und die Mundarten unsäglichen verdienten Mannes, nun auf Schönwerth, als dessen eigentlichen Nachfolger, übertrug“.

Erschienen:

Schönwerth, Franz Xaver: „Aus der Oberpfalz – Sitten und Sagen“, Band 1, 2, 3, Volksausgabe Augsburg;

Schönwerth, Franz Xaver:„Dr. Weinholds Baierische Grammatik und die Oberpfälzische Mundart“,
Regensburg 1869;

„Oberpfälzer Sagen, Legenden, Märchen und Schwänke“ aus dem Nachlass Franz X. v.Schönwerth’s, gesammelt von Karl Winkler, Verlag Michael Lassleben, Kallmünz;

„Das Schönwerth-Lesebuch– Volkskundliches aus der Oberpfalz im 19. Jahrhundert“, von Dr. RolandRöhrich, Verlag Pustet, Regensburg, 1981;

„Der oberpfälzische Volkskundler Franz Xaver Schönwerth – Sein Leben und sein Werk – ”
von Dr. Roland Röhrich, Verlag Lassleben, Kallmünz, 1975; „Der rote Zwerg“, 12 unbekannte Märchen von Franz Xaver Schönwerth aus der Oberpfalz, Herausgeber Fr. Ant. Niedermayr, Regensburg, ISBN 3-98007545-0-2;

„Oberpfälzer Sagen und Märchen“, Sonderheft aus dem Buchverlag der Mittelbayerischen Zeitung zum 100. Todestag von Franz Xaver von Schönwerth, Regensburg, 1986

16. April 2008

Schönwerth • Schönwerths Sagengelichter der Oberpfalz

 

„Sagengelichter der Oberpfalz“

Der bekannteste Oberpfälzer Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth (1810 – 1886) hat sie gerade noch rechtzeitig im 19. Jahrhundert gesammelt, um sie vor dem Vergessenwerden zu bewahren: die Sagen und Märchen, wie man sie nur in der Oberpfalz erzählte, und mit ihnen das Wesen der Drud und des Holzweibleins, vom Bilmesschneider, Hoimann und Teufel, von der Hexe und dem Wasserfräulein, den Hüttenmännlein und Hulzhatzern… vom Woud und der Freid, hinter denen sich niemand anders versteckt als Wotan und seine Frau Frigg.

Heidemarie und Wolfgang Sander (Redaktion und Kamera) schufen getreu nach Schönwerths gesammelten „Sagengelichter“ ein ebenso ungewöhnliches Hörbuch (60 Minuten) wie einen Film (20 Minuten), um mit den zeitgemäßen Mitteln von CD und DVD Schönwerth einem breiteren Publikum bekannt zu machen und mit ihm die Kulturregion Oberpfalz in den Mittelpunkt zu stellen; der Titel: „Sagengelichter der Oberpfalz“.

Sprecher ist der bekannte Schauspieler Jörg Hube. Die außergewöhnlichen Klangwelten der Musik stammen von Stefan Huber und Michael Reisinger (UmweltMusikWerkstatt Ensdorf, 2005 von der UNESCO ausgezeichnet). Die phantasievollen Bilder (Linolschnitte und Zeichnungen) arbeitete Irmingard Jeserick, Furth im Wald (Studium der Freien Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg), die in ihrem eigenen, unverwechselbaren Stil Illustrationen schuf, die ein Fest für die Augen darstellen. Die Realszenen spielten Schauspieler der Bauernbühne Freudenberg (Reinhold Escherl und Barbara Söllner). Die eindrucksvollen filmischen Bilder entstanden in der typischen Oberpfälzer Mittelgebirgslandschaft und im kleinsten Bauernhofmuseum, dem Goglhof in Eberhardsbühl.

Erfolgreich für die Oberpfalz vorgestellt wurde „Sagengelichter der Oberpfalz“ von Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunert am 16. Januar 2007 im Alten Hof 1, der ehemaligen Kaiserresidenz im Herzen Münchens.

Dr. Wolfgang Kunert, Regierungspräsident der Oberpfalz:
„Weltbilder, Lebensanschauungen, Denk- und Betrachtungsweisen wandeln sich, religiöse Bräuche und Dogmen weichen neuen Bewusstseinsstufen; nur Märchen und Sagen gehen durch Völkerauf- und Untergänge sicher hindurch. „Gemeinsam allen Märchen“, stellte Wilhelm Grimm fest, „sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinauf reichenden Glaubens, der in bildlicher Auffassung übersinnliche Dinge ausspricht. Die Bedeutung davon ist längst verloren, aber sie wird noch empfunden und gibt dem Märchen seinen Gehalt, während es zugleich die natürliche Lust am Wunderbaren befriedigt. Niemals aber sind sie bloßes Farbenspiel gehaltloser Phantasie“. Als Regierungs-präsident der Oberpfalz und persönlich begrüße ich es deshalb sehr, wenn CD und DVD „Sagengelichter der Oberpfalz“ das Erbe von Franz Xaver von Schönwerth weiter tragen, wenn die Mythen und Märchen einem größeren Publikum besser bekannt werden, beim Hören und Sehen die Kenntnis zur Heimat vertieft und in die Zukunft geführt wird. Dazu wünsche ich ein besinnlich-vergnügtes Erleben“.

Dr. Franz Xaver Scheuerer, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz:
„In einer Zeit, in der mythische Themen wieder eine gewisse Virulenz erreicht haben, stellen Wolfgang und Heidemarie Sander (Sander-Film) eine Hörkassette (CD) und eine DVD vor, die sich mit der Person des Oberpfälzer Volkskundlers und Sagenforschers Franz Xaver von Schönwerth befasst, und vor allem seine wertvolle Sammlung alter Oberpfälzer Sagen, Märchen und Mythen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Die regional tradierten Erzählstoffe, mit denen sich die Oberpfälzer früherer Zeiten Welt und Lebenssinn modellhaft verständlich machen wollten, gewinnen dabei eine neue Lebendigkeit, und auch die magische Naturauffassung unserer Vorfahren wird in der filmischen Darstellung in Verbindung mit Musik, Text und bildender Kunst für den heutigen Betrachter verständlich. Insofern kann die Produktion das nicht geringe Verdienst in Anspruch nehmen, den Oberpfälzer Märchen- und Sagensammler Franz Xaver von Schönwerth, der durchaus mit Jacob und Wilhelm Grimm zu vergleichen ist, vor dem Vergessen bewahrt und seinen zeitlos wertvollen Märchen- und Sagenschatz aus der Oberpfalz für die Gegenwart lebendig gemacht zu haben“.

Das sorgfältig gestaltete Hörbuch sowie der Film sind in einem attraktiven Schuber zum Preis von 26,50 € (ISBN 978-3-7698-1634-1), das Hörbuch (ISBN 978-3-7698-1635-8) für 14,50 € in Buchhandlungen oder direkt bei SanderFilm erhältlich: 92224 Amberg, Lindenallee 5, Tel. 0 96 21 – 8 41 88, Email: whsander@t-online.de

7. April 2008

Schönwerth • zur Person

Franz Xaver von Schönwerth

Als Franz Xaver Schönwerth am 16. Juli 1810 in Amberg geboren wurde, waren die Vorfahren väterlicherseits erst knapp hundert Jahre in der Vilsstadt ansässig. Überzeugt davon, dass die abgelegene Oberpfalz reicher an „ächter, alter Sage“ sei als viele andere deutsche Landstriche, begann Franz Xaver Schönwerth zu Beginn der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts nach oberpfälzischen Bediensteten in München Ausschau zu halten. Von ihnen wollte er die Sagen, Märchen und Bräuche der Heimat, kurz, den ganzen Schatz der in der Erinnerung aufbewahrten Volksüberlieferung erfahren. Darüber hinaus aber hoffte er, durch eigene Reisen in die Oberpfalz sowie durch briefliche Anfragen bald über genügend Stoff für seine „Sitten und Sagen“ zu verfügen.

Schönwerth gilt als einer der größten Volkskundler und Sammler von Sagen, Märchen, Legenden, Schwänken, von Sprichwörtern, Brauchtum und oberpfälzischer Lebensart. Angeregt durch seine tief in ihrer Heimat Neuenhammer bei Vohenstrauß verwurzelten Frau Maria Rath, die ihm einen unversiegbaren Schatz an heimischen Erzählgut übermittelte, befragte er, auch als Ministerialrat und Privatsekretär des Kronprinzen Maximilian in München, oberpfälzische Landsleute, vor allem Dienstboten, nach allem, was sie aus dem Volksleben an Sitten und Sagen wussten. Daraus ist ein dreibändiges Werk entstanden, das auch die volle Hochachtung von Jakob Grimm gefunden hat. Grimm schrieb über Schönwerth 1885: „Nirgendwo in ganz Deutschland ist umsichtiger, voller und mit so leisem Gehör gesammelt worden“.

Überblickt man alle heute noch greifbaren Äußerungen zu Schönwerths Forschungen in Briefzuschriften, Werkbesprechungen, wissenschaftlichen Aufsätzen und sonstigen Zeitungsnotizen, so wird deutlich, dass sich die weitaus meisten auf seine „Sitten und Sagen“ beziehen – so Dr. Roland Röhrich über Schönwerth „Sein Leben und sein Werk“, erschienen im Verlag Lassleben, Kallmünz.

Noch größere Bedeutung, so Dr. Röhrich, komme dem Urteil Maximilians II. zu, der, als großzügiger und fachkundiger Förderer der Wissenschaften bekannt, seinen vormaligen Sekretär durch drei persönliche Handschreiben ehrt und ihm schließlich sogar Diensturlaub für zwei längere Forschungsaufenthalte 1860 und 1861 in der Oberpfalz gewährt, da ihn der Inhalt der „Sitten und Sagen“ „dem bei weitem größten Teil nach sehr angesprochen habe“ und „die gründliche Erforschung der Sitten und Sagen einer Provinz…. ein sehr verdienstvolles Unternehmen für das ganze Land sei“.

Freilich dürfte Schönwerth diesen Gunsterweis des Königs nicht zuletzt auch Jakob Grimm zu verdanken haben, der, wie Maximilian im Handschreiben von 1859 vermerkt, „mir jüngst persönlich von dem hohen Werthe Ihrer deßfelligen Studien gesprochen“. Jakob Grimm, den Maximilian dabei als „Altmeister deutscher Sprachwissenschaft“ bezeichnet, muss schon bald nach dem Erscheinen des ersten Teils der „Sitten und Sagen“ auf Schönwerth aufmerksam geworden sein, denn bereits 1858 verfasst er seine sehr positive Besprechung der Teile I und II für das „Literarische Centralblatt für Deutschland“: „Nirgendwo in ganz Deutschland“, so schreibt er hier, sei „umsichtiger, voller und mit so leisem Gehör gesammelt worden“. Schönwerth habe alle Vorteile gezogen, „die sich aus der Beschränkung auf einen sagenreichen Landstrich ergeben“, in dessen Erzählgut „unverkennbare Anklänge an die heidnische Götterwelt und an die Mythen der Edda, von denen in ganz Deutschland bisher noch keine Spur gefunden“, begegneten. Sein Interesse an dieser für die Wissenschaft „so reichen und willkommenen Gabe“ veranlasst ihn, sich noch im gleichen Jahr in einem Brief unmittelbar an Schönwerth zu wenden, um genauere Auskunft über die Sage von Woud und Freid zu erbitten, da sie ihn „zu einigen combinationen und folgerungen“ geführt habe.

Ein zweiter im Nachlass aufbewahrter Brief Jakob Grimms aus dem Jahre 1861 beweist, dass seit 1858 ein wissenschaftlicher Gedankenaustausch zwischen Grimm und Schönwert stattgefunden haben muss. Grimm erwähnt die „Sitten und Sagen“ in wissenschaftlichen Vorträgen und stellt diese in einem Brief an Karl Julius Schröer als Vorbild für weitere Sammmlungen heraus. Johann Sepp berichtet sogar, dass Jakob Grimm “die Liebe welche er zu Schmeller hegte, nach dem Hingang des um den deutschen Sprachschatz und die Mundarten unsäglichen verdienten Mannes, nun auf Schönwerth, als dessen eigentlichen Nachfolger, übertrug“.

Höchste Anerkennung für die volkskundlichen Forschungen Schönwerths aber bedeutet ein Ausspruch Grimms, den Hans Weininger, langjähriger Sekretär des historischen Vereins in Regensburg und Briefpartner Schönwerths, überliefert hat. In seinem Aufsatz über bayerische Christus- und Petruslegenden, in dem er auch aus den „Sitten und Sagen“ zitiert, vermerkt er: „Über diesen Mann (Schönwerth) äußert sich der verstorbene Germanist Jakob Grimm, als er sich in den Fünfziger Jahren zu München aufhielt, gegen König Maximilian II. also: Wenn Einer da ist, der mich dereinst ersetzen kann, so ist es Schönwerth! Mehr läst sich über dessen Vortrefflichkeit nicht sagen“.

1. April 2008

Märchenhaftes Amberg • Die Osterhasen kommen!

 Hallo Kinder, die Osterhasen kommen!
AMBERG (sa). Mama Osterhase und Papa Osterhase besitzen seit dem vergangenen Jahr auch Namen. Ein kleines Mädchen schenkte ihnen als Dankeschön zwei Ostereier, die es bemalt hatte und wollte dabei wissen:. „Heißt ihr vielleicht Hasenhans und Hasengretchen?“ Mama und Papa Hase nickten – und nun heißen sie auch so: Hasenhans und Hasengretchen, die mit ihren beiden Kindern Sarah und Niko auch heuer wieder vom Maria-Hilf-Berg herunter kommen um für den Stadtmarketingverein für brave Kinder schokoladene Hasen, bunte Eier und kleine Ostersachen verstecken. Insgesamt 250 Nestchen für Karsamstag (7. April) im Stadtmuseum.

Auch heuer gibt es zwei silberne Eier des Wieserls zu finden, wie es vor über 100 Jahren der Amberger Märchensammler Franz Xaver von Schönwerth beschrieben hat: Ein silbernes Ei wartet auf die Kleinen im unteren Bereich, ein zweites auf die größeren Kinder.

Treffpunkt ist Karsamstag wieder um 11 Uhr auf dem Marktplatz. Von hier geht es mit den Osterhasen-Musikanten Erwin Hiltl aus Kümmersbruck und Erich Ehmer aus Ammersricht zum Stadtmuseum, wo in den vielen Nischen, Ecken und Winkeln die bunten Gaben versteckt sind – wobei Mama und Papa Hase sowie Helfer acht geben, dass alles seine Ordnung hat. Denn heuer dürfen nur die Kinder suchen – die Kleinen im unteren Bereich, die Größeren oben. Erwachsene dürfen nicht mit suchen. Sie werden um Verständnis dafür gebeten, dass das Vergnügen der Nestchensuche ausschließlich den Kindern vorbehalten bleibt. Sie können dafür im Cafe des Stadtmuseums drinnen und draußen warten und mit Spaß entspannt dem Treiben ihrer Kinder zusehen.

Organisiert und gesponsert wird das Ganze vom Amberger Stadtmarketingverein. Eingeladen sind Kinder bis etwa sechs Jahre. Die Beteiligung ist kostenlos. Kinder, die Plastiktüten dabei haben und nur einsacken wollen, laufen Gefahr, dass man ihnen die Tüten abnimmt.

Märchenhaftes Amberg • Sonderedition “Amberger Rockenfüssl”

Amberg ist um ein einmaliges, märchenhaftes KulturObjekt reicher geworden; um Otmar Alts „Rockenfüssl“, einer Symbiose aus Volkskunde, Kunst und Poesie.
Franz Xaver von Schönwerth: Das Rockenfüssl

Im Turm am Henkerbergl zu Amberg wohnte ein armes Mädchen. Dieses übertrat mit trotziger Absicht das Gebot: Man soll am Freitag nicht singen,/am Samstag nicht spinnen,/am Sonntag die erste Messe nicht verschlafen. So ward ihr Fuß in einen Rockenfuß umgestaltet und sie muss nach ihrem Tode herumwandern.

Das Rockenfüssl ist ein Geist, so groß wie ein 12-jähriges Kind. Es zeigt sich nur in den Rauhnächten, selbst bei Tag. Es sieht aus wie ein Rocken mit dem Fuß – wie eine Scheibe mit drei hölzernen Füßchen, auf denen es umherhumpelt. Das Rockenfüssl kann man aber auch so sehen: Es ist klein, mit rundem Reifrock und hat zwei Hühnerfüße, einen sehr großen Kopf, darauf ein Dreispitz sitzt. Es springt, statt zu gehen. Oft zeigt es sich auf der Amberger Hollerwiese.
Otmar Alt: Amberger Rockenfüssl

Otmar Alt ist ein Künstler, dessen eigenwillige Interpretationen aus dem Windkanal der Poesie so ungewöhnlich sind, das man sie sofort erkennt: Ah ja, ein Otmar Alt! Es war ein glücklicher Umstand, dass der Stadtmarketingverein e.V. ihn gewinnen konnte, das Amberger Rockenfüssl zu schaffen – und es ist ein Traumfigur geworden, das der Phantasie Flügel verleiht.
Der international renommierte Künstler und Designer Otmar Alt, in Werningerode, im Harz geboren, lebt in Hamm Westfalen, wenn er nicht in Sachen Kunst unterwegs ist: irgendwo in Deutschland, in England, den USA – oder in Amberg.
Er malt, zeichnet, macht Collagen, Gouachen und Linoldrucke, prägt mit seinem Kunst-Konzept ganze Produktpaletten namhafter Firmen wie zum Beispiel Rosenthal. Er gestaltet Wand- und Glasbilder, Tapisserien, Tapeten, Schmuck und Geschirr. Er illustriert Kinderbücher und kreiert Bühnenbilder. Sein Werk umfasst Lithographien, Emaildrucke auf Stahlblech, Plastiken, Bühnenbilder, Puzzles und Plakate. Viele seine Werke haben längst Eingang in private Sammlungen und Museen gefunden; Ausstellungen in Deutschland, England und den Vereinigten Staaten zeigen einem breiten Publikum die Facetten seines künstlerischen Konzeptes.
Otmar Alts „Amberger Rockenfüssl“, frei nach Franz Xaver von Schönwerths Amberger Sagengestalt komponiert, arbeitet die Evelynhütte (Industriegebiet Amberg-Nord) nach allen Regeln der Glasmacherkunst. Betrachtet man das Rockenfüssl, ahnt man, wie viel Arbeit, Aufwand und Können in ihm steckt. Entworfen hat Otmar Alt die Figur für den Stadtmarketingverein zugunsten seiner Aktion „Licht lockt Leute“, um Denkmale, Erker, Spitzbogen, Figuren, Erker… anstelle einer bloßen Anstrahlung behutsam ins Licht zu setzen.
Betrachtet man das „Rockenfüssl“, das ja einen Geist darstellt, motiviert sein leuchtendes kindliches Motiv zum Lächeln. Die Beine stehen auf dem Rocken, der wie eine Scheibe aussieht, der Dreispitz ist zu einer Oberpfälzer Kappe geworden, und seine hervorstehenden Argus-Augen sehen einfach alles! Es ist aufregend bunt, vor allem, wenn die Sonne das Glas durchleuchtet, stimmt heiter, bringt magisches Licht in den grauen Alltag und wird zum Talisman gegen Sorgen und Depression.
Sieht man es sich genau an, ist das „Rockenfüssl“ – auch – ein Stück licht-durchschaubare Poesie, Reflexion und Meditation. Mit seinem roten Flügel besitzt es ein Stück vom Feuervogel und gehört mit seinem blauen Flügel dem Bereich des Wassers und des Unbewussten an, das vom Blau seines Körpers mit seinem bunten Einsprengseln noch verstärkt wird und an den Himmel denken lässt. Die grünen Füße und das Grün des Käppchens erinnern an das Grün der Wiesen und Haine, an die Magie der Anderswelt, dem Wagnis der Phantasie.
Das 17 Zentimeter hohe Glasplastik ist aber auch „nur“ ein Kunstwerk mit dem man renommieren kann, und das Jahr um Jahr an Wert gewinnt. So ist es auch monetär.