31. Oktober 2007

Märchenhaftes Amberg • Auf der Suche nach Ambergs Gespenstern

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AMBERG (sa). Dem von Amerika übernommenen kommerzialisierten Halloween-Spektakel setzt der Stadtmarketingverein „Amberger Sagengelichter“ entgegen: am 31. Oktober ab 19.59 Uhr. Die „Fahndung“ ist nicht ungefährlich und ängstlichen Gemütern nicht zu empfehlen, muss an diesem Abend immerhin mit dem Auftauchen des einen oder anderen Gespenstes gerechnet werden. Führer an diesem Abend ist Stadtheimatpfleger Hans Hummel. Unterstützt wird er von Barbara Söllner von der Freudenberger Bauernbühne, Kerstin Donhauser, Christian Rubenbauer und Claudia Saller von der Freilichtbühne am Buchberg, Schnaittenbach. Abschluss ist im historischen Bräuwirtshaus Bruckmüller bei Hexeneintopf und Höllensprudel. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 begrenzt. Karten sind bei der Amberger Zeitung entsprechend der Voranmeldungen zu bekommen. Eine Teilnahme ohne Karte ist nicht möglich.

Im vergangenen Jahr ging es vom Rossmarkt zur Frauenkirche, zum Eichenforstplatz, zum Marktplatz … und dann zur Georgenstraße, an der einst jener Kaminkehrer Fager wohnte, dessen Magd aus Rieden stammte und eine alte Vetter mit Schnaps dafür köderte, ihren Geliebten nach Amberg zu holen. Allerdings wusste sie dabei nicht, dass sie mit einer Hexe verhandelte, die mit dem Teufel im Bunde stand. Noch schauerlicher klingt die Geschichte der Sauerzäpfin, die mit ihrem Hüttenknecht aus Theuern einen Schatz heben wollte und mit Magd und Tochter erschlagen wurde…. oder die gruseligen Phänomene um den Gespensterleuchter im ehemaligen Levinhaus, die Geschichten um den Platz der Frauenkirche oder dem Marktplatz….

So wird die Suche nach Ambergs Gespenstern zu einer Art besonderen Stadtführung. Sie dauert in etwa eine dreiviertel bis eine Stunde. Die Gespenstergeschichten stammen teils von Franz Xaver von Schönwerth und teils sind es gesammelte Geschichten, die betagte Amberger erzählten.

Der Vorabend von Allerheiligen, also der 31. Oktober, galt schon in vorchristlicher Zeit als ein besonderer Tag für Gespenster und Hexen; eben als Geisternacht. Man glaubte, dass in dieser Nacht die Trennwand zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten besonders leicht zu durchdringen ist, dass die Toten in dieser Zeit noch einmal aus dem Fegefeuer zurückkehren, um in ihre Häuser zu gehen und die Angehörigen um deren Fürbitte zu ersuchen. Daher zog man sich in dieser Nacht auch gerne schrecklich an und verkleidete sich, damit die Toten und Geister an einem vorbeigehen und man nicht als ein Lebender erkannt wird. Die Verkleidungen dienten zur Abschreckung.

An Allerheiligen selbst – so erzählte man es noch Mitte des 19. Jahrhunderts Franz Xaver von Schönwerth – aß man Semmeln, in Milch eingebrockt. Die Brotkrusten ließ man den Armen Seelen. Wenn der Wind an diesem Tag besonders kräftig blies, streute die Bäuerin eine Handvoll Mehl zum Fenster hinaus, damit er nachlasse. Man schlug auch nicht die Türen zu, weil auf den Türangeln die Armen Seelen saßen und man meinte, sie müssten dann leiden. Am 31. Oktober wurden früher auch die Spitzl’n gebacken, die „Allerheiligen-Spitzln“ oder Armen-Seelen-Laibln, die die Paten an ihre Patenkinder verschenkten. Auch die Dienstboten bekamen an diesem Tag Spitzeln und der Bauern lud sie zum Bier ein. Sicherlich wird Hans Hummel deshalb auch vom Wesen der Geister erzählen, was es bedeutet, wenn sie schwarz, grau oder weiß sind, was man ihnen sagen kann oder sagen muss oder was das Benediktenkreuz bedeutet, mit dem man sich am besten schützen kann.