4. März 2007

Sagen und Märchen • Schönwerth-Märchen

Der schwarze Kater

Es war ein König, der hatte eine wunderschöne Prinzessin. Ihre Schönheit weckte den Neid einer Freundin. Diese gab ihr einmal unbemerkt Katzenmilch zu trinken. Davon wurde die Prinzessin krank und die Mägde erkannten in dieser Krankheit die Vorboten der Mutterschaft. Darüber erzürnte der König umso mehr, als sie einen Vater nicht zu bezeichnen wusste Er ließ daher die Tochter in den Scherm (einfaches Obdach, Schupfen) werfen.

Es war an der Zeit und sie brachte einen schwarzen Kater zur Welt. Kaum war er einige Tage alt, sagte er tröstend zu seiner Mutter, er werde schon sorgen, dass sie zur Freiheit gelange. Er machte sich durch eine Spalte aus dem Scherm und gewann Leute, welche die Spalte so viel vergrößerten, dass ein Mensch durchkriechen konnte. So war die Prinzessin frei.

Darauf ging er, eine Wohnung zu suchen. Ein Schreiner, an den er sich wendete, hatte nur einen Stall zur Verfügung, ein anderer bot ihm so viel Raum wie er brauchte, um ein Zimmer darin einzurichten. So lebten sie in Ruhe beisammen. Da ließ der König im Lande verkünden, er bedürfe eines Stalljungen. Wer den Dienst verstehe, solle sich melden. Der schwarze Kater säumte nicht, sich vorstellig zu machen und wurde auch genommen, obwohl der König meinte, er sei zu klein, um auf die Pferde hinaufzugelangen.

Aber noch nie waren die Rosse so schön geputzt und rein gehalten wie jetzt. Einmal musste der schwarze Kater mit dem Leibkutscher des Königs fahren und wandte sich an diesen mit einer sonderbaren Ansprache: Er sagte ihm nämlich, dass er seine Mutter heiraten müsse.

Der Kutscher schüttelte den Kopf und meinte, er könne doch keine Katze heiraten. Da riss der Kater die Zügel zurück und sie wurden weit durch die Luft gewirbelt: Da gab der Kutscher sein Ja-Wort: Augenblicklich waren sie wieder an der Stelle, von der sie hinweggenommen waren.

Wieder fragte der Kater, ob er seine Mutter heiraten wolle und wieder scheute der Kutscher und sagte, er vermöge es nicht. Da wurden beide wieder durch die Luft gewirbelt, bis das Ja-Wort aufs neue erfolgte.

Zu Hause angekommen, kündigte der Kater der Prinzessin an, dass sie den Leibkutscher des Königs heiraten müsse und machte Anstalten zur Hochzeit. Der gepresste Bräutigam aber verbarg sich, nachdem er einen Freund ausgesendet hatte, die Mutter des Katers zu besuchen. Der Freund fand die Prinzessin als das schönste Weibe und brachte dem Versteckten jubelnd die Botschaft. So wurde denn Hochzeit gehalten.

Der König richtete sie aus und lud sich selbst zu Gaste. Bei Tische wurden Rätsel aufgegeben. Der König erzählte die Geschichte seiner Tochter. Da fragte ihn die Prinzessin, ob er seine Tochter noch kennen würde. Der König bejahte es, denn die Prinzessin habe ein Muttermal am Arme. Da schob die Braut den Ärmel zurück und zeigte das Mal und der König umarmte sie als seine Tochter.

Ehe das Mahl zu Ende war, hieß der Kater den Kutscher mit ihm in die Küche gehen. Dort befahl er ihm: „Du musst mir den Kopf abschlagen“. Er weigerte sich lange vergebens; er musste gehorchen. Anstatt des kopflosen Katers stand der schönste Prinz da. Der Kutscher hatte seine Dienste getan und der Prinz nahm die Stelle des Bräutigams ein und wurde der Gemahl der Prinzessin, seiner Mutter. (Wondreb)

Der Förster

Der Förster im Waldhause war ein guter Mann, milde zu Mensch und Tier. Vor allem hütete er sich, die Holzweiblein im Walde zu beleidigen. Er ging ihnen überall aus dem Wege und schonte die Bäume, in denen sie wohnten.

Einmal sollte er eine Waldstrecke ausroden. Ungern nur tat er es, und wenn er seine Befehle zu schlagen gab, bat er die kleinen Leute mit leisen Worten um Verzeihung und ließ noch manchen schönen Baum ihnen zum Obdache stehen. Dafür war aber auch das Glück mit ihm.

Er bekam schöne gesittete Kinder, fünf blühende Mädchen, und die Holzweiblein kamen und spielten mit ihnen, hüteten sie und lehrten sie sticken und nähen, auch lesen und schreiben, gleichzeitig halfen sie der Mutter im Hause. Wenn sie ihren Flachs auf die Bank gelegt hatte, brachten sie ihr feinstes Garn und kostbarstes Leinengewebe zurück. Und die Frau wurde in der ganzen Gegend berühmt ob ihres Fleißes. Man konnte nicht begreifen, wie sie alles besorgte und nebenbei doch die Erziehung der Kinder so trefflich zu leiten vermochte.

Der Nachbar am Berge war zwar ein tüchtiger Forstmann und trefflicher Schütze, aber starr und herzlos. Er hasste die Holzfräulein, ließ gerade jene Bäume fällen, in denen sie wohnten und schonte auch das nicht, wo das Holzmännlein bat, nur 24 Stunden seinem Weibe zur Entbindung Zeit zu geben. Da fluchte die Gebärende, der harte Förster solle kein Kind haben und ließ sich in den Wald des guten Försters tragen.

Von nun an war sie stets Gast in diesem Hause und brachte kleine feine Geschenke von Silberarbeit und Gespinst und Gewebe den Mädchen am Geburtstage. Diese wuchsen herrlich heran und einmal kam das Holzweiblein und sagte. „Ich bin zum letzten Mal hier, denn ich muss sterben, aber nicht wie ihr Menschen; wir verlassen die Erde, um in anderer Gestalt wiederzukommen. Ich habe für jedes von euch einen Edelstein mitgebracht, den sollt ihr am Halse tragen. Der Bräutigam wird daran seine Braut erkennen. Dafür müsst ihr mich aber im Sarge mit zwei Ochsen an den Weiher im Wald fahren lassen, dort will ich begraben sein“.

Nicht lange darauf stand ein kleiner Sarg am Platze und der Förster lud ihn selber auf den Wagen und fuhr ihn durch den Wald am Berge vorbei zum Teiche. Den ganzen Weg entlang begleitete ihn Gesang von Vögeln, wie er ihn nie gehört und der Teich ging auseinander wie in zwei kristallenen Mauern und ließ viele Särge auf dem Boden zutage treten. Zu diesen stellte er nun den seinen und kehrte schnell heim, ohne sich umzusehen.

Zu Hause aber war das Geschirr der Ochsen von Silber. Der Fürst des Landes veranstaltete ein großes Jagen und bestellte die Jäger zum Förster im Waldhause. Da kam auch ein Förster aus der Fremde mit seinen fünf Söhnen, alle so frisch als brav, weshalb sie der Fürst lobte. Und als diese die fünf Mädchen sahen und die Edelsteine am Halse, zog jeder von ihnen auch einen Edelsten hervor und wies sich damit als Bräutigam aus, wie es das Holzfräulein gesagt

Aus: Franz Xaver von Schönwerth „Der rote Zwerg“, 12 unbekannte Märchen aus der Oberpfalz, Illustration Irmingard Jeserick, übersetzt von Julia Weigl nach einer Idee von Klemens Unger

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Fr. Ant. Niedermayr, Regensburg

Sagen und Märchen • Schönwerth-Sagen

 

Rockenfüßl und Schatzhauser

Zwei besondere Amberger Sagenfiguren, die Schönwerth aufzeichnete, sind das Rockenfüßl und der Schatzhauser. Letzterer ist ein grünes Männlein, das sich früher in den Tannwäldern rund um Amberg und im Hirschwald zeigte und sich besonders auf dem Weg nach Raigering aufhielt. Kinder, wenn sie durch den Wald gingen, sagten dann fast bei jeder Tanne: „Schatzhauser, im grünen Tannenwald,/Bist viele hundert Jahre alt,/Du stehst allein, wo Tannen stehn,/Laß dich von Sonntagskindern sehn“.

Wilhelm Hauff hat den Schatzhauser in seinem Kalten Herz in den Schwarzwald versetzt, wo ihn der Kohlenmunk-Peter mit den gleichen Worten rief: Schatzhauser im grünen Tannenwald…

Das Rockenfüßl ist ein Geist, so groß wie ein 12-jähriges Kind. Es zeigt sich nur in den Rauhnächten, selbst bei Tag. Es sieht aus wie ein Rocken mit dem Fuß – wie eine Scheibe mit drei hölzernen Füßchen, auf denen es umherhumpelt. Das Rockenfüssl kann man aber auch so sehen: Es ist klein, mit rundem Reifrock und hat zwei Hühnerfüße, einen sehr großen Kopf, darauf ein Dreispitz sitzt. Es springt, statt zu gehen. Oft zeigt es sich auf der Amberger Hollerwiese.

In dem Turm am Henkerbergl soll ein armes Mädchen gewohnt, und trotzig das Gebot übertreten haben: Man soll am Freitag nicht singen, /am Samstag nicht spinnen, /am Sonntag die erste Messe nicht verschlafen. Und weil sie es im Alter wie in der Jugend trieb und boshaft dem alten Gesetz zuwider gehandelt hat, wurde ihr Fuß in einen Rockenfuß umgestaltet und sie musste nach ihrem Tode herumwandern.

Holzfräulein gehören zu den Waldgeistern. Sie sind ganz klein, haben auf dem Ofen, auf einem Baumstock Platz und gelten als arme Seelen. Ihr Größe übersteigt selten drei Schuh, ihr Gesicht ist mit Moos bedeckt, davon heißen sie auch Moosweiblein, öfter aber Hulzfral, Holzfralerl, Holzweibl.

Einmal saßen die Leute wieder beim Essen; da lachten die Holzfräulein auf dem Ofen und sagten, hierüber befragt. „Wir lachen, weil derselbige Hinkende über den Rousbaum hin nicht recht zum Tische kam, und die anderen gar so fleissig mitessen“. Wieder befragt, wen sie denn meinen, belehrten sie die Leute, ja keinen Löffel verkehrt auf den Tisch zu legen, das heißt mit der Höhlung nach oben, denn sonst essen die anderen mit. Nun wusste man, dass sie die Geister meinten.

Holzweiblein in der Technik des Linolschnittes, von Irmingard Jeserick. Repro: Wolfgang Sander
Teufel

Den Teufel als Jäger kennzeichnet, dass er hinkt, weil er einen Bocks- oder Pferdefuss, manchmal beide zugleich hat. Er kommt auch immer nach der Quere gegangen und wenn er verschwindet, hinterlässt er Bocks- oder Schwefelgestank. Auf dem Kopf steht ihm ein Horn hervor, manchmal deren zwei, doch nicht groß, so dass er sie leicht mit seinem grünen Hut verbergen kann. Augen und Zunge leuchten von feurigem Rot. Die Haare sind schwarz.

Und weil man vor 100 Jahren den „Schwarzen“ oft noch mehr fürchtete als den lieben Herrgott selber… musste er auch für viele Untaten herhalten. ER ist der feurige Drache, ER gibt dem Hexenmeister den Wehrwolfgürtel und ER der Hexe die Zaubersalbe. ER hütet die Schätze oder schafft sie um den Preis des Seelenheils herbei.

So trägt er viele Namen, denn man soll ihn nicht beim rechten Namen nennen, außer man setzt bei: „Gott wohne bei uns“ oder „Gott behüte und bewahre uns“. Solche Benennungen sind: der Böse, der Garundere, der Spani-, Spadi-, Spari-, Sperifankerl, der Guzigagl, der Drack, der Hollabirbou (Hollunderbeerbube), der Hörlseph, der Schrötl, der Urahnl, der Hörlmayer.

Der Teufel zeigt sich besonders auf Kreuzwegen, in dichten Wäldern, in alten Türmen und Burgruinen und in Felsenhöhlen. Viele Steine heißen von ihm Teufelssteine. Er hat sich dort gezeigt und seine Spur hinterlassen.

Teufelssage

In Amberg…. beim Kaminkehrer Fager in der Georgenstraße… war ein Mädchen aus Rieden in Dienst. Sie hatte zu Hause einen Geliebten und war immer sehr betrübt, dass sie ihn so selten sah. Eines Abends in der Sitzweil fragte eine Alte aus dem Kreis, was ihr denn so anliege. „Wenn es sonst nichts ist“, lachte sie auf das Geständnis, „für zwölf Kreuzer lasse ich ihn dir bringen“.

Sie vertrank das Geld in Schnaps und ging fort. Da läutete es an der Tür und als man öffnet, stürzt der Bursche wütend herein und schreit nach der Dirn. Nach größter Mühe zur Ruhe gebracht, erzählte er: „Ich zog eben ein Fässchen Bier vom Keller herauf und wollte es kosten. Da schlug mir ein Ungeding den Becher vom Munde hinweg, huckte mich auf seinen Rücken und riss mich durch die Luft fort, geraden Weges hierher. Das war der Teufel. Es sah schwarz aus und wie ein Bock“.

Endlich aber ließ er sich beruhigen und es konnte Versöhnung gestiftet werden. In Rieden wurde ein Haus gekauft. Der Bockreiter erhielt den Schergendienst und lebte gut mit seinem Weibe. – Auf die Alte aber hat man vergebens gefahndet.