Der schwarze Kater
Es war ein König, der hatte eine wunderschöne Prinzessin. Ihre Schönheit weckte den Neid einer Freundin. Diese gab ihr einmal unbemerkt Katzenmilch zu trinken. Davon wurde die Prinzessin krank und die Mägde erkannten in dieser Krankheit die Vorboten der Mutterschaft. Darüber erzürnte der König umso mehr, als sie einen Vater nicht zu bezeichnen wusste Er ließ daher die Tochter in den Scherm (einfaches Obdach, Schupfen) werfen.
Es war an der Zeit und sie brachte einen schwarzen Kater zur Welt. Kaum war er einige Tage alt, sagte er tröstend zu seiner Mutter, er werde schon sorgen, dass sie zur Freiheit gelange. Er machte sich durch eine Spalte aus dem Scherm und gewann Leute, welche die Spalte so viel vergrößerten, dass ein Mensch durchkriechen konnte. So war die Prinzessin frei.
Darauf ging er, eine Wohnung zu suchen. Ein Schreiner, an den er sich wendete, hatte nur einen Stall zur Verfügung, ein anderer bot ihm so viel Raum wie er brauchte, um ein Zimmer darin einzurichten. So lebten sie in Ruhe beisammen. Da ließ der König im Lande verkünden, er bedürfe eines Stalljungen. Wer den Dienst verstehe, solle sich melden. Der schwarze Kater säumte nicht, sich vorstellig zu machen und wurde auch genommen, obwohl der König meinte, er sei zu klein, um auf die Pferde hinaufzugelangen.
Aber noch nie waren die Rosse so schön geputzt und rein gehalten wie jetzt. Einmal musste der schwarze Kater mit dem Leibkutscher des Königs fahren und wandte sich an diesen mit einer sonderbaren Ansprache: Er sagte ihm nämlich, dass er seine Mutter heiraten müsse.
Der Kutscher schüttelte den Kopf und meinte, er könne doch keine Katze heiraten. Da riss der Kater die Zügel zurück und sie wurden weit durch die Luft gewirbelt: Da gab der Kutscher sein Ja-Wort: Augenblicklich waren sie wieder an der Stelle, von der sie hinweggenommen waren.
Wieder fragte der Kater, ob er seine Mutter heiraten wolle und wieder scheute der Kutscher und sagte, er vermöge es nicht. Da wurden beide wieder durch die Luft gewirbelt, bis das Ja-Wort aufs neue erfolgte.
Zu Hause angekommen, kündigte der Kater der Prinzessin an, dass sie den Leibkutscher des Königs heiraten müsse und machte Anstalten zur Hochzeit. Der gepresste Bräutigam aber verbarg sich, nachdem er einen Freund ausgesendet hatte, die Mutter des Katers zu besuchen. Der Freund fand die Prinzessin als das schönste Weibe und brachte dem Versteckten jubelnd die Botschaft. So wurde denn Hochzeit gehalten.
Der König richtete sie aus und lud sich selbst zu Gaste. Bei Tische wurden Rätsel aufgegeben. Der König erzählte die Geschichte seiner Tochter. Da fragte ihn die Prinzessin, ob er seine Tochter noch kennen würde. Der König bejahte es, denn die Prinzessin habe ein Muttermal am Arme. Da schob die Braut den Ärmel zurück und zeigte das Mal und der König umarmte sie als seine Tochter.
Ehe das Mahl zu Ende war, hieß der Kater den Kutscher mit ihm in die Küche gehen. Dort befahl er ihm: „Du musst mir den Kopf abschlagen“. Er weigerte sich lange vergebens; er musste gehorchen. Anstatt des kopflosen Katers stand der schönste Prinz da. Der Kutscher hatte seine Dienste getan und der Prinz nahm die Stelle des Bräutigams ein und wurde der Gemahl der Prinzessin, seiner Mutter. (Wondreb)
Der Förster
Der Förster im Waldhause war ein guter Mann, milde zu Mensch und Tier. Vor allem hütete er sich, die Holzweiblein im Walde zu beleidigen. Er ging ihnen überall aus dem Wege und schonte die Bäume, in denen sie wohnten.
Einmal sollte er eine Waldstrecke ausroden. Ungern nur tat er es, und wenn er seine Befehle zu schlagen gab, bat er die kleinen Leute mit leisen Worten um Verzeihung und ließ noch manchen schönen Baum ihnen zum Obdache stehen. Dafür war aber auch das Glück mit ihm.
Er bekam schöne gesittete Kinder, fünf blühende Mädchen, und die Holzweiblein kamen und spielten mit ihnen, hüteten sie und lehrten sie sticken und nähen, auch lesen und schreiben, gleichzeitig halfen sie der Mutter im Hause. Wenn sie ihren Flachs auf die Bank gelegt hatte, brachten sie ihr feinstes Garn und kostbarstes Leinengewebe zurück. Und die Frau wurde in der ganzen Gegend berühmt ob ihres Fleißes. Man konnte nicht begreifen, wie sie alles besorgte und nebenbei doch die Erziehung der Kinder so trefflich zu leiten vermochte.
Der Nachbar am Berge war zwar ein tüchtiger Forstmann und trefflicher Schütze, aber starr und herzlos. Er hasste die Holzfräulein, ließ gerade jene Bäume fällen, in denen sie wohnten und schonte auch das nicht, wo das Holzmännlein bat, nur 24 Stunden seinem Weibe zur Entbindung Zeit zu geben. Da fluchte die Gebärende, der harte Förster solle kein Kind haben und ließ sich in den Wald des guten Försters tragen.
Von nun an war sie stets Gast in diesem Hause und brachte kleine feine Geschenke von Silberarbeit und Gespinst und Gewebe den Mädchen am Geburtstage. Diese wuchsen herrlich heran und einmal kam das Holzweiblein und sagte. „Ich bin zum letzten Mal hier, denn ich muss sterben, aber nicht wie ihr Menschen; wir verlassen die Erde, um in anderer Gestalt wiederzukommen. Ich habe für jedes von euch einen Edelstein mitgebracht, den sollt ihr am Halse tragen. Der Bräutigam wird daran seine Braut erkennen. Dafür müsst ihr mich aber im Sarge mit zwei Ochsen an den Weiher im Wald fahren lassen, dort will ich begraben sein“.
Nicht lange darauf stand ein kleiner Sarg am Platze und der Förster lud ihn selber auf den Wagen und fuhr ihn durch den Wald am Berge vorbei zum Teiche. Den ganzen Weg entlang begleitete ihn Gesang von Vögeln, wie er ihn nie gehört und der Teich ging auseinander wie in zwei kristallenen Mauern und ließ viele Särge auf dem Boden zutage treten. Zu diesen stellte er nun den seinen und kehrte schnell heim, ohne sich umzusehen.
Zu Hause aber war das Geschirr der Ochsen von Silber. Der Fürst des Landes veranstaltete ein großes Jagen und bestellte die Jäger zum Förster im Waldhause. Da kam auch ein Förster aus der Fremde mit seinen fünf Söhnen, alle so frisch als brav, weshalb sie der Fürst lobte. Und als diese die fünf Mädchen sahen und die Edelsteine am Halse, zog jeder von ihnen auch einen Edelsten hervor und wies sich damit als Bräutigam aus, wie es das Holzfräulein gesagt
Aus: Franz Xaver von Schönwerth „Der rote Zwerg“, 12 unbekannte Märchen aus der Oberpfalz, Illustration Irmingard Jeserick, übersetzt von Julia Weigl nach einer Idee von Klemens Unger
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Fr. Ant. Niedermayr, Regensburg




