5. März 2006

Das “Sagengelichter” wird quicklebendig

Der große Sohn der Stadt Amberg wird mit Hörbuch und Film wieder entdeckt

AMBERG. “Sagengelichter der Oberpfalz” werden in einem neuen Film und einem Hörbuch von Heidemarie und Wolfgang Sander lebendig. Sie sind dem Amberger Volkskundler Franz Xaver Schönwerth gewidmet und wurden in einem kreativen Team umgesetzt.

Jede Zeit verlangt seine Veränderungen und Wiederholungen. Wie es scheint sind auch Märchen und Mythen wieder dabei, zurück zu kommen. Und mit ihnen die Entdeckung von Vergangenem, die Suche nach Wurzeln und Anfängen, der Auseinandersetzung mit Übersinnlichem und transformierenden Energien. Hierzu passt, dass die Sanders für Amberg wieder den Amberger Franz Xaver Schönwerth entdeckt haben, den größten Volkskundler und Sammler von Sagen und Märchen, Legenden und Schwänken, Sprichwörtern, Brauchtum und Oberpfälzer Lebensart.

Amberg entdeckt mit Schönwerth nicht nur wieder seinen großen Sohn. Er gilt wie die Gebrüder Grimm als ein Altmeister deutscher Sprachwissenschaft und verdienter Botschafter von deutschem Sprachschatz und Mundarten. Gerade noch rechtzeitig sammelte er im 19. Jahrhundert die Geschichten um den Hoimann, den Bilmesschneider, die Drud, das Holzweiblein und den Holtzhatzer. Die “Sagengelichter” sind das Hörbuch (60 Minuten) und der Film (20 Minuten) von Heidemarie und Wolfgang Sander (Redaktion und Kamera) überschrieben, die das “Gloid” der alten Sagenfiguren wieder aufleben lassen. Bereits als Kind hatte Heidemarie Sander die Märchen und Sagen von Franz Xaver Schönwerth gelesen, den sie dann als Vorsitzende des Stadtmarketingvereins mit dem zentralen Schwerpunktthema Märchen für dieses Unternehmen neu entdeckte. Größten Wert legt sie darauf, dass es nicht irgendwelche Märchen sind, denn die könne jede Stadt lesen. Es sind die Märchen von Schönwerth, den nur Amberg hat und der als ein märchenhafter Botschafter für Amberg und die Oberpfalz steht.

Dies ist auch der Entstehungshintergrund für den neuen Film und das Hörbuch, für die die ersten Texte von Jörg Hube im Februar 2005 eingesprochen wurden. Die Musik wurde im Mai von Stefan Huber und Michael Reisinger dazu geliefert. Von ihnen bekam jede Sagengestalt ihre eigene “Erkennungsmelodie”, die das Wesen der Figur auch hörbar macht. Die Realfilmszenen werden angemessen ergänzt durch die kunstvollen Linolschnitte der weit über die Grenzen der Oberpfalz bekannten Künstlerin Irmingard Jeserick aus Furth im Wald, Teufel, Drud, Holzweiblein und Bilmesschneider bekommen von Reinhold Escherl und Barbara Söllner von der Bauernbühne Freudenberg Leben eingehaucht. Die Bäuerin spielt Margarete Jäkel vom Freiluftmuseum Gogelhof, wo auch wie im Landkreis Sulzbach-Rosenberg und im Hirschwald gedreht wurde. Das Märchen mimt Doris Brunner und die Wahrheit Michael Ritz.

Dabei bleibt dem Zuschauer noch ausreichend Gelegenheit, seine eigene Fantasie in die Märchenwelt von Schönwerth einzubringen. Der Film beginnt mit der im Nebel versunkenen Lindenallee, in der der Mond entlang wandert, mit Ambergs Mauern, Türmen und Toren, wenn die Wahrheit klagt, dass niemand sie mag. Die Bilder werden rosig und bunt, wenn das Märchen der ungeliebten Wahrheit rät: “Die Menschen lieben es, dass jeder geschmückt ist und sich ein wenig verkleidet. Ich werde dir solche Kleider borgen, mit denen ich angezogen bin, und du wirst sehen, dass die Leute dich auch lieben werden.”

Die 1000 Kopien des Hörbuchs und die 500 Film-DVDs sind in den nächsten Tagen im Stadtmuseum und in den Buchhandlungen der Region erhältlich. Film und Hörbuch kosten zusammen 26,50 Euro, das Hörbuch 14,50 Euro. Die “Sagengelichter werden aber nicht nur die Amberger erfreuen, denn Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunerth hat Film und Hörbuch im Alten Hof in München präsentiert: “Einerseits um Schönwerth einem breiteren Publikum bekannt zu machen, andererseits, um für die Oberpfalz und Amberg-Sulzbach als Kulturregion zu werben”, so Heidemarie Sander.

Adele Schütz